Nachruf für Hofrat Dipl.Ing. Karl Neubarth

(geb. 21.10.1938, gest. 22.11.2017)

Es gibt nicht viele Beamte, die in der Erinnerung so sehr mit ihrer Wirkungsstätte verknüpft sind, wie Hofrat Dipl. Ing. Karl Neubarth mit dem Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege – Kartause Mauerbach. Wirkungsstätte ist zu wenig gesagt, denn Karl Neubarth hat die leerstehende, verwahrloste Kartause erst zu dem gemacht, was sie heute ist. Seiner Vision, die er mit unermüdlicher Energie und Eifer verfolgte, ist zu verdanken, dass die Kartause Mauerbach heute ein aus der österreichischen Denkmalpflege nicht mehr wegzudenkender Schnittpunkt für alle mit der denkmalgerechten Erhaltung von Baudenkmalen befassten Gruppen ist.

Diese Aufgabe erforderte Eigenschaften, über die außer ihm nicht viele verfügten. Nach der Matura 1957 begann er mit dem Architekturstudium an der TU-Wien, das er 1971 erfolgreich abschloss. Daneben arbeitete er in der väterlichen Seilerei (gegründet 1820), wo er 1958 die Gesellenprüfung ablegte. Zusammen mit seiner Schwester Elisabeth übernahm er später den Betrieb und löste ihn nach dessen konjunkturbedingtem Niedergang auf. 1971 trat er ins Bundesdenkmalamt ein. Nach einer mehrmonatigen Anfangzeit in der Architekturabteilung bei Arch. Reichhart, trat er unter Dr. Eppel ins Landeskonservatorat für Niederösterreich ein, das nach dessen Tod von Dr. Kitlitschka übernommen wurde. Hier war er 13 Jahre Referent für das Viertel unter dem Wienerwald. Schon vor seiner Ernennung zum Leiter der Kartause Mauerbach im Jahr 1984 knüpfte er internationale Kontakte. Beispielsweise war er 1982 bei der Eröffnung des Europäischen Zentrums für Handwerk in der Denkmalpflege in Venedig und stellte Querverbindungen zwischen den einschlägigen Institutionen des In- und Auslandes auf europäischer Ebene her. Er erforschte die Kartause, die er mit anderen nicht wie Mauerbach aufgelösten europäischen Kartäuserklöstern etwa in der Schweiz verglich. Die Rekonstruktion des Prälatengartens geht auf diese Forschungen zurück. Er führte in der Kartause Mauerbach Konzerte ein, die bis heute erfolgreich fortgesetzt werden. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2003 war er der offizielle Ansprechpartner für alle einschlägige Aktivitäten des Bundesdenkmalamtes im In- und Ausland. Nach seinem Ruhestand war er noch bis 2013 Konsulent für die Instandsetzung und Restaurierung von Schloss Stetteldorf in Niederösterreich. Nach wie vor war er bis zuletzt immer wieder in der Kartause Mauerbach anzutreffen.

Rückblickend gesehen, war er die ideale Persönlichkeit für den Aufbau eines Informations- und Weiterbildungszentrums für Baudenkmalpflege. Als Vertreter eines Handwerks war er mit der Denk- und Arbeitsweise von Handwerkern vertraut – er sprach ihre Sprache. Das Architekturstudium befähigte ihn zum interdisziplinären Denken  und Organisieren. Im Bundesdenkmalamt lernte er bei Arch. Reichhart die Problematik organischer Baustoffe bereits zu einer Zeit kennen, in der sich das Bewusstsein der Materialität und der Originalität der Baustoffe erst in der Denkmalpflege durchsetzen musste. Der Grundstein seiner Erfahrung war jedoch die Tätigkeit im Landeskonservatorat, die seiner Liebe zu Bau­denkmalen und seiner Neigung entgegenkam, Dinge zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen. Dazu kam seine Beherrschung handwerklicher Techniken, mit denen er wie kein anderer vertraut war.

Als Referent im Landeskonservatorat war er für alle Belange des Denkmals verantwortlich. Manche Denkmaleigentümer erinnern sich mit Vergnügen an sein umfassendes Wissen und sein Weltbild, das weit über die Erhaltung der Baudenkmäler hinausging. Er konnte ebenso wertvolle Hinweise für Gartenliebhaber geben, wie auch künstlerische und denkmalpflegerische Fragen beurteilen. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau. Im Fall von Karl Neubarth war es seine Ehefrau Wilbet, die selbst an den Akademien für bildende Kunst und für angewandte Kunst studiert hat. Nach der Geburt der Kinder Friedrich und Dietlinde stand sie dem Haushalt vor und hielt ihm den Rücken für seine nicht endenwollenden Arbeitstage frei. Als Ergänzung zu seiner Beschäftigung mit Baudenkmalpflege, historischen Handwerkstechniken und Gartengestaltung hat sie eine Laufbahn als Künstlerin eingeschlagen; ihre Werke waren in zahlreichen Ausstellungen erlebbar.

Im von den Eltern ererbten Besitz in Plankenberg, für dessen Erhalt dieselben Grundsätze galten, wie für alle ihm beruflich anvertrauten Baudenkmäler, führte Karl Neubarth vor allem im Sommer ein gastfreund­liches Haus. An die Begegnungen dort werden viele Kollegen und Freunde wohl immer gerne zurückdenken. Seine zurückhaltende, bescheidene Art erlaubte es ihm, stets als Mittler zum Besten des Denkmals zu wirken. Dieses Beste für die Baudenkmalpflege vertrat er jedoch unbeugsam, konsequent und mit Nachdruck. So werden wir Karl Neubarth stets in Erinnerung behalten. Sein Können und sein immenses Wissen werden uns immer fehlen. Seiner Familie gilt unser tiefempfundenes Beileid.

Franz Neuwirth

Additional information