Vortrag: Die Fassung bewahren: Schloss Eggenberg – zum Erhalt einer Welterbestätte

2020.01.07


Donnerstag, 05. Jänner 2020
19:00
Hörsaal 7 – Schütte-Lihotzky Hörsaal
TU Wien
1040 Wien, Karlsplatz 13, Stiege 7, Erdgeschoß

Schloss Eggenberg, ab 1625 als Residenz des ambitionierten kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg (1568–1634) errichtet, ist politische Architektur, anspruchsvolle Legitimation für die Herrschaft einer neuen Familie. Das Schloss ist als riesiges Gleichnis erbaut, ein symbolisches Abbild des Universums, in dem der gelehrte Bauherr seine Vorstellung einer idealen Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert. Als die Familie Eggenberg bereits zu Beginn des 18.Jhs. erlischt, kommt ihr ehrgeiziges Projekt zum Stillstand, bleibt aber als seltenes Beispiel einer Residenz des Frühbarocks nahezu unverändert erhalten.
Entscheidend für den Rang von Schloss Eggenberg als Raumkunstwerk ist ein Zyklus von 24 Prunkräumen mit dem großen Planetensaal im Zentrum. In ihnen verbinden sich die Ausstattungsphasen von Barock und Rokoko zu einer aus heutiger Sicht untrennbaren Einheit von besonderem Reiz und ungestörtem Erlebniswert.
Der Schlosskomplex ist heute eine Abteilung des Universalmuseums Joanneum. Gebäude und Park sind gleich mehrfach geschützt: als Denkmal, Natura 2000 Europaschutzgebiet und Unesco Welterbestätte. Man könnte meinen, dass es damit ausreichend gesichert sei. Im Alltag erweist sich jedoch der Balanceakt zwischen denkmalpflegerischem Anspruch und Erfordernissen des modernen Museumsbetriebs, zwischen widersprüchlichen Gesetzesvorgaben und Budgetzwängen als tägliche Herausforderung.

Dr. Dr. h.c. Barbara Kaiser ist Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin. Sie hat Kunstgeschichte, Öst. Geschichte und Philosophie studiert und eine Postgraduate Ausbildung am ICCROM (International Centre for the Study of the Preservation and Restoration of Cultural Property) in Rom absolviert.
Sie war Direktorin des Steiermärkischen Landesmuseums und ist heute Leiterin der Abteilung Schloss Eggenberg & Alte Galerie am Universalmuseum Joanneum.

Vortrag: Die Entstehungsgeschichte von ICOMOS in den Dokumenten des Archivs Piero Gazzola

2019.12.05

Die Entstehungsgeschichte von ICOMOS in den Dokumenten des Archivs Piero Gazzola

Pia Gazzola

Donnerstag, 05. Dezember 2019
19:00
Hörsaal 7 – Schütte-Lihotzky Hörsaal
TU Wien
1040 Wien, Karlsplatz 13, Stiege 7, Erdgeschoß

Im Zentrum des Vortrags steht der Italienische Architekt Piero Gazzola, eine Schlüsselfigur in der Entstehungsgeschichte von ICOMOS. Sein umfassendes Privatarchiv wird heute vom Verein „Associazione Archivio Piero Gazzola – AAPG “ (Archivo Piero Gazzola) verwaltet. Als Präsidentin des Archivs stellt Pia Gazzola dessen Bestände vor und rekonstruiert, wie das Archiv in den letzten Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Anhand von Dokumenten des Archivs, die Gazzolas wirken im Italienischen und internationalen Kontext beleuchten, wird die Vorgeschichte der Gründung von ICOMOS im Jahr 1965 dargestellt. Im Mittelpunkt steht schließlich die Frage danach, wie das Werk einer vielseitigen, intellektuellen Figur wie Gazzola als Inspirationsquelle für zukünftige Generationen erhalten werden kann.

Pia Gazzola ist Künstlerin und Restauratorin. Sie hat in Mailand, am ICART in Paris und am „Istituto Centrale del Restauro“ in Rom studiert. Von 1974 bis 2004 war sie als Restauratorin in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien tätig. Seit 1986 ist sie freischaffende Künstlerin. Ihre Arbeiten befinden sich heute in bedeutenden, internationalen Sammlungen. Pia Gazzola hat Seminare und Workshop am Cooper Union College in New York und an der CEU San Pablo Universität in Madrid veranstaltet.

Vortrag: BLUE SHIELD – Kulturgüterschutz in zivil-militärischer Zusammenarbeit

2019.11.07

Blue Shield
Kulturgüterschutz in zivil-militärischer Zusammenarbeit

Karl Habsburg

Donnerstag, 07. November 2019
19:00
Hörsaal 7 – Schütte-Lihotzky Hörsaal
TU Wien
1040 Wien, Karlsplatz 13, Stiege 7, Erdgeschoß

Die Erfahrungen jüngster (z. B. Afghanistan, Irak, Mali, Syrien) aber auch historischer Konflikte (Erster und Zweiter Weltkrieg) zeigen, dass Kultur ein grundlegender Bestandteil von und eine wesentliche Rolle in bewaffneten Konflikten spielt. Zerstörungen oder Schäden haben unterschiedliche Ursachen, wie Kollateralschäden, militärische Fahrlässigkeit oder auch Vorsatz. In bewaffneten Konflikten oder in Post-Konflikt-Szenarien kann durch die Zerstörung von Kulturgut nicht nur die Identität einer Gruppe von Menschen aus dem lokalen, sondern auch aus dem nationalen oder gar universellen historischen Gedächtnis gelöscht werden. Die Beschädigung und Zerstörung des kulturellen Erbes kann die Zukunftsperspektive einer Gemeinschaft untergraben.

Mit der Anerkennung des Wertes von Kulturerbe und Kulturgut durch die internationale Gemeinschaft bemüht sie sich seit vielen Jahren um die Umsetzung rechtsverbindlicher Leitlinien für den Schutz des kulturellen Eigentums.

Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (Den Haag 1954, 1999) bildet dafür die internationale Rechtsgrundlage. Der Blaue Schild ist ihr unverwechselbares Emblem, um die Anerkennung des unter Schutz stehenden Kulturgutes zu erleichtern. Gleichzeitig ist der Blaue Schild – BLUE SHIELD – namensgebend für das internationale Netzwerk der UNESCO-affilierten Expertenorganisationen (ICOM, ICOMOS, ICA und IFLA), das sich für den Schutz des Kulturerbes vor Beschädigung, Plünderung oder Zerstörung während bewaffneter Konflikte einsetzt. Insbesondere auch, indem es vorbereitende Maßnahmen zur Bewältigung und Reaktion auf Notsituationen sowie Unterstützung nach der Krise koordiniert. Durch Schulungen zum Risikomanagement und Sensibilisierungskampagnen für Fachleute und die breite Öffentlichkeit werden Standards dafür gefördert. Die Tätigkeit von BLUE SHIELD als Beratungsorganisation, unter anderem in Zusammenarbeit mit der UNESCO, ICCROM und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), ermöglicht es weltweit, Informationen über die Bedrohnung von Kulturgut zu sammeln und auszutauschen, um im Fall eines bewaffneten Konflikts bei der Ergreifung geeigneter Maßnahmen zu unterstützen. Schließlich fördert BLUE SHIELD in Notsituationen den Schutz und die Wiederherstellung von Kulturgut, den Schutz bedrohter Güter und hilft  lokalen Fachleuten, sich von Katastrophen zu erholen.

Karl Habsburg, LL.M., MLE, MBA, Mitglied des Europäschen Parlaments a.D., hat Rechtswissenschaft, Wirtschaftsrecht und Betriebswirtschaft studiert. Er ist Berater für verschiedene Organisationen der UNO, für die OSZE, das IKRK und andere internationale Organisationen. Er war bis 1996 für die Österreichische Luftwaffe tätig. Seit 2003 ist er Verbindungsoffizier für den Kulturgüterschutz an der Landesverteidigungsakademie. Seit 2008 ist Karl Habsburg Präsident des an die UNESCO angeschlossenen NGO-Netwerks BLUE SHIELD International.

Vortragsreihe 2019/20

2019.10.13

unsere kommenden Vorträge

   
27.06.2019, 19h00 Blue Shield
Kulturgüterschutz in zivil-militärischer Zusammenarbeit
  Karl von Habsburg
   
05.12.2019, 19h00 Die Entstehungsgeschichte von ICOMOS in den Dokumenten des Archivs Piero Gazzola
  Pia Gazzola
   
16.01.2020, 19h00 Die Fassung bewahren
Schloss Eggenberg – zum Erhalt einer Welterbestätte
  Barbara Kaiser

International Day of Monuments and Sites

2019.04.13

Seit 1982 feiert die ICOMOS/UNESCO-Welt bereits den IDMS, den International Day of Monuments and Sites mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Vielfalt des kulturellen Erbes der Menschheit und die für den Schutz und ihre Erhaltung erforderlichen Anstrengungen zu fördern. Jedes Jahr veranstaltet eine wachsende Zahl von ICOMOS-Nationalausschüssen auf der ganzen Welt themenrelevante Veranstaltungen. ICOMOS Österreich beteiligte sich auf Initiative der Emerging Professionals am 13. April 2019 erstmals an der internationalen Veranstaltung und bot unter dem Namen „City-Scapes“ Stadtwanderungen durch die Wiener Stadtlandschaft an.

Treffpunkt war der an der TU Wien wieder errichtete ICOMOS Stand. Die angebotenen Touren zur Erkundung der „City-Scapes“ im UNESCO Weltkulturerbe des Historischen Zentrums von Wien waren seit Wochen ausgebucht. Nach einer kurzen Einführung der Präsidentin zu ICOMOS, der Charta von Venedig und ihrem Bezug zu ICOMOS Austria schwärmten die einzelnen Gruppen zu den verschiedenen Stätten aus: den historischen Holztragwerken der Michaeler-Kirche, dem Zacherlhaus von Josef Plečnik, der aktuellen Fassadenrestaurierung der Akademie der Bildenden Künste und abschließend gemeinsam in den Kuppelsaal der TU Wien. Angeregt durch die fachspezifischen Erkenntnisse und Methoden klang der Abend in bester Feierstimmung am ICOMOS Stand noch lange nach.