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Beschreibung Monitoring

Der Begriff dafür heißt „präventives Monitoring / preventive Monitoring“ – der Auftrag dazu wurde zuletzt in der Resolution Nr. 27 der 16. Generalversammlung von ICOMOS im Oktober 2008 in Quebec, Kanada, formuliert. Das präventive Monitoring hat vor allem den Zweck, durch frühzeitige Präsenz bei Veränderungsvorhaben oder/und Zustandsbefunden beratend zur Konfliktvermeidung beizutragen. Die Angelpunkte der Prävention liegen dabei auf der Bedachtnahme auf die der Eintragung auf die Welterbeliste zugrunde liegenden OUVs, weiters auf die essenziellen Eigenschaften der „Authenticity“ und „Integrity“. Da es sich bei Interventionen in den Kern- und Pufferzonen der österreichischen Welterbegebiete in der Regel um Gestaltungs- und Veränderungsplanungen handelt, nimmt die Obsorge um die Wahrung vor Beeinträchtigungen der Ansicht von Welterbestätten und ihren signifikanten (visual integrity; visual impact study) einen besonderen Stellenwert ein – nicht zuletzt durch den städtebaulichen Trend der Vertikalisierung (Hochhäuser) und Verdichtung („Draufsetzen“). Zur Vermeidung dieser Gefährdung können nach der Praxis der UNESCO und des Welterbekomitees durchaus auch Vorhaben außerhalb der deklarierten Zonen unter das Monitoring Gebot fallen.

Das österreichische Nationalkomitee hat eine Monitoring Gruppe installiert, bei der je ein/e Monitoringverantwortliche/r für eine Welterbestätte zuständig ist. Zur Wahrnehmung dieser Aufgabe ist ein ausgeprägtes Networking Voraussetzung, das die Kontakte zu den unmittelbar Betroffenen (Eigentümern, Bauwerbern) ebenso pflegt, wie zu den zuständigen Organen der Bundes-, Landes- und Gemeindeverwaltung. Selbstverständlich gehört auch die Anhörung von Interessensgruppierungen und Bürgerinitiativen und das Einvernehmen mit dem die Agenden des Welterbes wahrnehmenden BMKOES, dem Bundesministerium für Kunst und Kultur, und der österreichischen UNESCO-Kommission zum Kontaktradius des präventiven Monitoring. Die Monitoringaktivitäten resultieren in der Regel in schriftlichen Expertisen, die – je nach Brisanz der Fälle – auch ICOMOS International und der UNESCO zur Kenntnis gebracht werden. Einen zusätzlichen Ertrag des Monitorings stellen die Österreich-Beiträge für das ICOMOS Periodikum „Heritage at Risk“ dar, in dem weltweit aktuelle Problemfälle vorgestellt werden.

Zu den Aufgabenbereichen des österreichischen Nationalkomitees von ICOMOS fällt auch die Beratung zur laufenden Revision der österreichischen Vorschlagsliste (Tentative List) zur Nominierung auf die UNESCO Welterbeliste. In diesem Zusammenhang wurde 2006 ein internationales Fachsymposium in Steyr zur Frage des außergewöhnlichen universellen Wertes / OUV des Erzbergs und der Eisenwurzen samt Steyr abgehalten. Ein Mitglied des österreichischen Nationalkomitees[1] verfasste zu diesem Thema eine umfassende Studie als Grundlage für ein mögliches Nominierungsverfahren. Ein besonderes Anliegen des präventiven Monitoring ist selbstverständlich auch die Öffentlichkeits- und Vermittlungsarbeit, die auf die jeweiligen Zielgruppen hin zugeschnitten ist. So hat sich im Herbst 2012 eine Fachkonferenz mit Fragen des Monitoring in der Wachau beschäftigt, eine Fortsetzung erfolgte im Dezember 2013. In Wien gab es im Dezember 2012 speziell für die Welterbeverantwortlichen des Magistrats und für sonstig Beteiligte eine Informationsveranstaltung über die 2011 verabschiedete UNESCO Recommendation on the Historic Urban Landscape (HUL).

 

[1] Falser Michael, Die Österreichische Eisenstraße als UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe? Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. In: Schriftenreihe des Nationalpark Kalkalpen Band 9. Linz, 2009